Warum Moore?
Moore zählen zu den Feuchtgebieten, in denen die permanente Wassersättigung und der entsprechende Sauerstoffmangel dazuführen, dass die absterbenden Teile der Pflanzen nur unvollständig zersetzt werden, vor Ort akkumulieren und somit das bei der Fotosynthese gebundene CO2 konservieren. Wenn das, was nach dem Trocknen übrigbleibt, zu 30 % aus totem organischen Material besteht, spricht man von Torf. In Deutschland ist nach Definition ein solches Feuchtgebiet dann ein aufwachsendes Moor, wenn die Torfschicht eine Dicke von 30 cm erreicht und diese auch noch aktiv gebildet wird. Durchschnittlich wird in einem Moor ein Millimeter Torf pro Jahr gebildet.
…ist ihre Vielschichtigkeit, die sich nicht nur auf die oft meterdicken Torfschichten bezieht. Eine der wichtigsten Funktionen ist ihre Fähigkeit, auf kleinster Fläche riesige Mengen Kohlenstoff einzulagern. So befinden sich 30 % des weltweiten Bodenkohlenstoffs in Mooren, die dagegen nur eine Landfläche von 3,8 % bedecken. Das ist das Doppelte des Kohlenstoffs, der in der Biomasse aller Wälder dieser Erde eingelagert ist.
In Mooren ist weiterhin eine hohe Biodiversität zu verzeichnen, wobei die Artenanzahl selbst oft etwas geringer ist als in anderen Ökosystemen der gleichen geografischen Region. Die Arten sind jedoch meist nur in bestimmten Moortypen zu finden, weil sie stark spezialisiert und an die besonderen und extremen Bedingungen angepasst sind. Dazugehören bei Pflanzenarten beispielsweise die permanente Wassersättigung und damit einhergehender Sauerstoffmangel im Wurzelbereich. Auch an den Nährstoffmangel, der sonst für viele Arten eine Herausforderung darstellt, haben sich die Arten auf verschiedene Weisen angepasst, zum Beispiel der insektenfangende Sonnentau. In Europa sind etwa 50 % aller bedrohten Vogelarten auf Moore angewiesen. Dazu gehört zum Beispiel der Kranich, der in intakten Moorlandschaften brütet.
Die Vielschichtigkeit der Moore stellt einen unermesslichen Wert dar. Indem Torf Schicht für Schicht akkumuliert, wird die Geschichte des Gebietes dank der unvollständig zersetzten Pflanzenreste, aber auch die der Umgegend in Form von Pollen und Sporen archiviert. Somit sind für Forschende, insbesondere für jene der Paläoökologie, Rückschlüsse auf vergangene Zustände des Ökosystems sowie klimatische Bedingungen und Ereignisse möglich.
Als Feuchtgebiete tragen Moore mit hohen Verdunstungsraten zur Kühlung ihrer Umgebung bei, liefern Trinkwasser, dienen dem Hochwasserschutz als Retentionsflächen und halten Wasser für Trockenperioden zurück.
Da das Leben der Menschen eng mit dem Vorhandensein von Wasser verknüpft ist, leben sie seit jeher auch in der Nähe von Mooren. Für viele sind sie ein Ort der Identifikation, Inspiration, Erholung und ihr Erhalt bewahrt die Verbindung zur Heimat.
Weltweit findet in 12 % aller Moore keine Torfakkumulation mehr statt. Davon entfallen 10 % auf den Abbau von Torf für Brennstoff und Zusatz in Pflanzenerde. Weitaus größere Flächen werden landwirtschaftlich (50 %) und forstlich (30 %) genutzt. Die übrigen 10 % entfallen auf den Ausbau kritischer Infrastruktur wie Ölgewinnung, Transportwege sowie auf Städte- und Siedlungsbau.
In den entwässerten Mooren läuft aufgrund der Exponierung an sauerstoffhaltige Luft die rasche Zersetzung des zuvor konservierten organischen Materials wieder an. Dadurch werden enorme Mengen CO2 und N2O freigesetzt – 0,3 % der weltweiten Landfläche sind für 5 % aller anthropogenen CO2 Emissionen verantwortlich. Entwässerte Moore tragen somit zur Verstärkung des Treibhauseffekts und zur Klimaerwärmung bei. Durch die Entwässerung kommt es außerdem zur Absackung des Bodens und dem permanenten Verlust von Land und Moor in Kombination mit dem steigenden Meeresspiegel.







